Mitarbeiterführung

Den eigenen Führungsstil finden – So erkennen und entwickeln Sie Ihren persönlichen Führungsstil

Die meisten Führungskräfte können Führungsstile theoretisch benennen, tun sich aber deutlich schwerer damit, den eigenen Führungsstil ehrlich einzuschätzen. Das eigene Verhalten wirkt aus der Innenperspektive oft anders, als es im Team ankommt. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie Ihren persönlichen Führungsstil realistisch bestimmen, welche blinden Flecken dabei typischerweise entstehen und mit welchen konkreten Schritten Sie Ihr Führungsverhalten gezielt weiterentwickeln, statt sich auf ein einmal erlerntes Muster zu verlassen.

Einordnung

Warum die Selbsteinschätzung des eigenen Führungsstils so schwerfällt

Kaum eine Führungskraft würde behaupten, den eigenen Führungsstil nicht zu kennen. Fragt man jedoch genauer nach, wie Entscheidungen im Alltag tatsächlich getroffen werden, wie viel Beteiligung wirklich stattfindet und wie mit Fehlern umgegangen wird, entsteht häufig ein anderes Bild als die Selbstbeschreibung zunächst nahelegt. Der Grund dafür ist einfach: Der eigene Führungsstil wird von innen über Absichten bewertet, vom Team dagegen über tatsächliches Verhalten erlebt. Diese Lücke zwischen Selbstbild und Fremdbild ist der zentrale Ausgangspunkt jeder ehrlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Führungsstil.

Wer sich einen grundsätzlichen Überblick über die verschiedenen Führungsstile verschaffen möchte, findet dafür im Beitrag Führungsstile im Vergleich eine gute Grundlage. Dieser Beitrag setzt einen Schritt davor an: Es geht nicht darum, Führungsstile abstrakt zu kennen, sondern darum, den eigenen Führungsstil im eigenen Verhalten präzise wiederzuerkennen.

Besonders erschwert wird die Selbsteinschätzung dadurch, dass sich Führungsstile selten in Reinform zeigen. Die meisten Führungskräfte verhalten sich je nach Situation, Tagesform und Gesprächspartner unterschiedlich, ohne sich dieser Schwankung bewusst zu sein. Wer den eigenen Führungsstil finden möchte, sucht deshalb weniger nach einem einzelnen Etikett als nach einem wiederkehrenden Muster: Wie verhalte ich mich typischerweise, wenn Zeitdruck entsteht, wenn ein Mitarbeiter widerspricht, oder wenn ein Projekt aus dem Ruder läuft?

Diese Auseinandersetzung lohnt sich, weil der eigene Führungsstil direkten Einfluss auf Vertrauen, Motivation und Ergebnisse im Team hat. Führungskräfte, die ihr eigenes Muster kennen, können gezielt gegensteuern, wenn dieses Muster in einer bestimmten Situation nicht passt. Führungskräfte, die ihr Muster nicht kennen, wiederholen es unreflektiert, auch dort, wo es dem Team spürbar schadet.

Selbsteinschätzung

Um den eigenen Führungsstil realistisch einzuschätzen, reicht es nicht, sich an einen Idealzustand zu erinnern. Aussagekräftiger sind konkrete, wiederkehrende Situationen aus dem Führungsalltag. Die folgenden vier Fragestellungen helfen dabei, das eigene Verhalten präziser zu beschreiben, statt sich auf ein pauschales Selbstbild zu verlassen.

Wie treffen Sie Entscheidungen unter Zeitdruck?

Der eigene Führungsstil zeigt sich selten im entspannten Regelbetrieb, sondern vor allem dann, wenn Zeit knapp wird. Manche Führungskräfte holen auch unter Druck noch Meinungen ein, andere entscheiden reflexartig allein und erklären die Entscheidung erst im Nachgang, wieder andere zögern die Entscheidung so lange hinaus, bis sie sich von selbst erledigt. Keines dieser Muster ist per se falsch, entscheidend ist, ob es bewusst gewählt wurde oder einfach automatisch abläuft.

Ein hilfreicher Test: Erinnern Sie sich an die letzten drei Entscheidungen, die Sie unter echtem Zeitdruck treffen mussten. Haben Sie das Team eingebunden, informiert oder schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt? Das Muster, das sich hier zeigt, ist meist aussagekräftiger als jede Selbstbeschreibung im entspannten Zustand.

Wie reagieren Sie, wenn im Team ein Fehler passiert?

Auch der Umgang mit Fehlern verrät viel über den eigenen Führungsstil. Manche Führungskräfte fragen zuerst nach der Ursache und erst danach nach der Verantwortung, andere suchen reflexhaft zuerst, wer den Fehler zu verantworten hat. Manche nutzen den Fehler, um Kontrolle spürbar zu verschärfen, andere gehen bewusst zurückhaltender vor, um Vertrauen nicht zu beschädigen.

Wie Feedback nach Fehlern so formuliert wird, dass es Verhalten verändert statt Verteidigung auszulösen, beschreibt der Beitrag Feedback richtig geben im Detail. Für die Selbsteinschätzung des eigenen Führungsstils reicht zunächst die ehrliche Beobachtung: Wächst nach einem Fehler im Team eher die Kontrolle oder eher das Vertrauen in die eigene Führung?

Wie viel Beteiligung lassen Sie im Alltag tatsächlich zu?

Viele Führungskräfte beschreiben sich selbst als kooperativ, weil sie grundsätzlich offen für Meinungen sind. Entscheidend ist jedoch nicht die grundsätzliche Offenheit, sondern die tatsächliche Häufigkeit: Wie oft wird eine Entscheidung im Alltag wirklich gemeinsam getroffen, und wie oft wird lediglich nachträglich informiert? Diese Differenz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Beteiligung ist einer der häufigsten blinden Flecken beim eigenen Führungsstil.

Eine ehrliche Prüfung gelingt am besten rückblickend an konkreten Beispielen der letzten Wochen, nicht an einer allgemeinen Selbsteinschätzung. Wer diesen Unterschied bei sich entdeckt, findet vertiefende Ansätze im Beitrag Kooperativer Führungsstil, der beschreibt, wie echte Beteiligung im Führungsalltag strukturiert und nicht nur behauptet wird.

Wie viel Nähe und Kontrolle empfindet Ihr Team als angemessen?

Der eigene Führungsstil wird nicht allein durch das eigene Verhalten definiert, sondern auch durch das, was das jeweilige Team davon tatsächlich als angemessen erlebt. Dieselbe Führungsperson kann von einem erfahrenen Team als zu kontrollierend, von einem neuen, unsicheren Team dagegen als angenehm klar strukturierend wahrgenommen werden. Der eigene Führungsstil existiert also nie unabhängig vom Gegenüber, sondern immer im Zusammenspiel mit dem jeweiligen Team.

Für Führungskräfte bedeutet das: Der eigene Führungsstil ist kein feststehendes Ergebnis, sondern ein laufender Abgleich zwischen eigenem Verhalten und den tatsächlichen Bedürfnissen des Teams, das gerade geführt wird.

Blinde Flecken

Typische blinde Flecken beim eigenen Führungsstil

Blinde Flecken entstehen nicht aus mangelndem Willen zur Selbstreflexion, sondern schlicht daraus, dass niemand das eigene Verhalten von außen sieht. Drei Muster tauchen in der Praxis besonders häufig auf und lohnen sich als bewusster Prüfpunkt.

Kooperativ in der Selbstwahrnehmung, autoritär im Alltag

Die Führungskraft empfindet sich als einbeziehend, weil sie in Meetings nach Meinungen fragt. Entscheidungen stehen jedoch faktisch bereits vorher fest, echte Beteiligung findet nicht statt.

Zurückhaltung wird als Vertrauen missverstanden

Die Führungskraft hält sich bewusst zurück, um Freiraum zu geben. Das Team erlebt diese Zurückhaltung jedoch als fehlende Orientierung, weil klare Erwartungen und Ansprechbarkeit fehlen.

Der eigene Führungsstil wird nicht an das Team angepasst

Ein Führungsstil, der bei einem erfahrenen Team hervorragend funktioniert hat, wird unverändert auf ein neues, unerfahrenes Team übertragen und dort als Überforderung erlebt.

Weiterentwicklung

Den eigenen Führungsstil gezielt weiterentwickeln

Den eigenen Führungsstil zu kennen ist der erste Schritt, ihn gezielt weiterzuentwickeln der zweite. Der wirksamste Ausgangspunkt dafür ist ehrliches Feedback aus dem eigenen Team. Statt der allgemeinen Frage „Wie führe ich?“ liefern konkrete, situationsbezogene Fragen deutlich brauchbarere Antworten: In welcher Situation der letzten Wochen hätten Sie sich mehr Beteiligung gewünscht? Wann war meine Entscheidung für Sie nicht nachvollziehbar? Wo hätten Sie sich klarere Ansagen gewünscht?

Eine anonyme Kurzbefragung oder ein moderiertes Feedbackgespräch mit einer neutralen dritten Person senkt zusätzlich die Hemmschwelle, ehrlich zu antworten, gerade in hierarchisch geprägten Teams. Wichtig ist, dieses Feedback nicht als Bewertung, sondern als Grundlage für konkrete nächste Entwicklungsschritte zu behandeln. Welche Kompetenzen dafür besonders relevant sind, beschreibt der Beitrag Führungskompetenzen entwickeln ausführlich.

Sinnvoll ist außerdem, den eigenen Führungsstil nicht einmalig, sondern regelmäßig zu überprüfen. Mit wachsender Erfahrung, neuen Teams oder veränderten Aufgaben verschiebt sich der eigene Führungsstil ohnehin, meist unbemerkt. Wer diesen Wandel bewusst begleitet, statt ihn dem Zufall zu überlassen, entwickelt sich gezielter weiter, als wer sich auf ein einmal festgestelltes Selbstbild verlässt.

Kurzcheck: Den eigenen Führungsstil ehrlich einordnen

  • Wie habe ich bei den letzten drei Entscheidungen unter Zeitdruck tatsächlich entschieden?
  • Wächst nach Fehlern im Team eher Kontrolle oder eher Vertrauen in meine Führung?
  • Wie oft wurde eine Entscheidung in den letzten Wochen wirklich gemeinsam getroffen?
  • Passt mein gewohntes Führungsverhalten noch zum Erfahrungsstand meines aktuellen Teams?
  • Wann habe ich zuletzt aktiv Feedback zu meinem eigenen Führungsstil eingeholt?
Führungskräftetraining

Warum sich die Arbeit am eigenen Führungsstil lohnt

Der eigene Führungsstil lässt sich nicht durch reines Nachdenken verändern, sondern nur durch bewusstes Üben in echten Führungssituationen. Genau hier setzt ein gutes Führungskräftetraining an: Es macht das eigene Muster im geschützten Rahmen sichtbar, zeigt Wirkung auf reale Gesprächssituationen und schafft Raum, neues Verhalten auszuprobieren, bevor es im Alltag mit dem eigenen Team eingesetzt wird.

Wenn Sie Ihren eigenen Führungsstil gezielt reflektieren und weiterentwickeln möchten, unterstützt Ledajess mit einem passenden Training oder Inhouse-Format. Nutzen Sie dafür die Anfrage für Führungskräfte-Training.

FAQ

Häufige Fragen zum eigenen Führungsstil

Wie finde ich heraus, welchen Führungsstil ich habe?

Der eigene Führungsstil zeigt sich am zuverlässigsten im konkreten Verhalten unter Druck: Wie treffen Sie Entscheidungen in Zeitnot, wie reagieren Sie auf Fehler, und wie viel Beteiligung lassen Sie im Alltag tatsächlich zu. Ehrliches Feedback von Mitarbeitenden und Kollegen ergänzt die Selbsteinschätzung um blinde Flecken.

Muss ich mich auf einen einzigen Führungsstil festlegen?

Nein. Die meisten erfahrenen Führungskräfte haben einen Grundstil, den sie situativ um weitere Elemente ergänzen. Entscheidend ist nicht ein einziges Etikett, sondern die Fähigkeit, das eigene Verhalten bewusst an Team und Situation anzupassen.

Was sind typische blinde Flecken beim eigenen Führungsstil?

Häufige blinde Flecken sind die Selbsteinschätzung als kooperativ, obwohl Entscheidungen faktisch allein getroffen werden, sowie die Annahme, Zurückhaltung werde als Vertrauen erlebt, obwohl das Team sie als Orientierungslosigkeit wahrnimmt.

Wie hole ich mir ehrliches Feedback zu meinem Führungsstil ein?

Konkrete, situationsbezogene Fragen funktionieren besser als die allgemeine Frage nach dem Führungsstil. Anonyme Kurzbefragungen oder ein moderiertes Feedbackgespräch mit einer neutralen dritten Person senken zusätzlich die Hemmschwelle für ehrliche Rückmeldung.

Kann sich der eigene Führungsstil im Laufe der Karriere verändern?

Ja. Mit wachsender Erfahrung, neuen Teams und veränderten Aufgaben verschiebt sich der Führungsstil häufig automatisch. Wer diesen Wandel bewusst begleitet statt ihn dem Zufall zu überlassen, entwickelt sich gezielter weiter.

Wie unterscheidet sich der eigene Führungsstil vom situativen Führen?

Der eigene Führungsstil beschreibt die Grundhaltung, aus der eine Führungskraft heraus handelt. Situatives Führen ist eine Methode, dieses Grundmuster bewusst an Team und Aufgabe anzupassen, statt es unreflektiert in jeder Situation gleich einzusetzen.

Nächster Schritt

Den eigenen Führungsstil gezielt weiterentwickeln

Nutzen Sie die Anfrage, wenn Sie Ihren Führungsstil oder den Ihrer Führungskräfte gezielt in einem Training oder Coaching weiterentwickeln möchten.

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